Das Wirtschaftssystem


Wie die Wirtschaft funktioniert:

Das System
der
Marktwirtschaft

In modernen Volkswirtschaften treten eine sehr grosse Zahl von Wirtschaftseinheiten (private Haushalte, Unternehmen, staatliche Betriebe usw.) über Märkte miteinander in Beziehung. Auf Grund von den auf Märkten getroffenen Vereinbarungen haben Wirtschaftseinheiten Einnahmen, die von andern Wirtschaftseinheiten stammen, und tätigen Ausgaben, die andern Wirtschaftseinheiten zufliessen.

 

Märkte:
Märkte sind Orte, wo Angebot und Nachfrage sich treffen. Auf den Gütermärkten werden Güter angeboten und nachgefragt, Kapitalmärkte ermöglichen die Geldanlage und die Kreditaufnahme. Auf dem Arbeitsmarkt finden die Stellensuchenden die Stellenangebote.

 

Es lassen sich mehrere Typen von Wirtschaftseinheiten unterscheiden:

Produktions- und Dienstleistungsbetriebe erstellen wirtschaftliche Güter für Dritte. Sie vermarkten diese an andere Wirtschaftseinheiten und verschaffen sich dadurch Einnahmen. Zum Beispiel produziert ein Landwirtschaftsbetrieb Gemüse, das er auf dem Gemüsemarkt verkauft. Ein Bauunternehmen erstellt Eigentumswohnungen und findet auf dem Immobilienmarkt Käufer dafür. Ein Spital verschafft sich Einnahmen durch die Pflege von Patienten. Als Produzenten betätigen sich private Unternehmen, Selbständigerwerbende wie z.B. Aerzte, Anwälte oder Treuhänder, halbstaatliche und staatliche Betriebe wie z.B. Verkehrsbetriebe, Theater, Gas- und Elektrizitätswerke.

 

Haushalte beschaffen sich Güter, um den Bedarf der Haushaltsmitglieder zu decken. Privathaushalte, aber auch Kollektivhaushalte, zu denen der Bundeshaushalt, die Haushalte der Kantone und die Haushalte der Gemeinden gehören, treten als Konsumenten auf. Private Haushalte kaufen zum Beispiel Lebensmittel, damit die Haushaltsmitglieder ihren Hunger stillen können. Man braucht eine Wohnung, ein Auto, neue Kleider. Damit die privaten Haushalte die von ihren Mitgliedern benötigten Konsumgüter bezahlen können, stellen sie den Produzenten Arbeitskraft und Kapital zu Verfügung. Sie kassieren dafür Lohn und Zins. Staatshaushalte erheben Steuern und beschaffen sich so Einnahmen, um die Staatsausgaben zu bezahlen.

Die Wirtschaftssektoren

Gleichartige Wirtschaftseinheiten werden für die Betrachtung der gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge zu Wirtschaftssektoren zusammengefasst. Die Sektorbildung erfolgt abhängig von den verfolgten Zielen unterschiedlich. Um die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge im sogenannten Wirtschaftskreislauf darzustellen, werden herkömmlicherweise 5 Sektoren, nämlich der Unternehmenssektor, der Konsumsektor, der Staatssektor, der Finanzsektor und der Auslandsektor gebildet. Zum Unternehmenssektor, auch Produktionssektor genannt, gehören alle Wirtschaftseinheiten, die Leistungen für Dritte erbringen, also Güter herstellen und diese über Märkte andern Wirtschaftseinheiten gegen Entgelt zukommen lassen. Die gesamte Wertschöpfung dieses Sektors in einem Jahr bezeichnet man als das Bruttoinlandprodukt der Volkswirtschaft. Zum Konsumsektor zählt man in der Regel nur die privaten Haushalte. Die öffentlichen Haushalte bilden den vom privaten Konsumsektor abgetrennte öffentliche Sektor. In ihm sind alle Staatshaushalte und auch die Sozialversicherungen (AHV, IV, AL) enthalten. Man kann diese aber auch als separater Sektor führen. Zum Sektor Vermögensbildung, auch Finanzsektor genannt, werden die Banken und andere Finanzinstitute gezählt, zu denen Ersparnisse fliessen und die daraus Kredite und Beteiligungen refinanzieren. Alle Wirtschaftseinheiten ausserhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft, die mit inländischen Wirtschaftseinheiten Beziehungen pflegen, werden zum Wirtschaftssektor Ausland zusammengefasst.

Der Unternehmenssektor (Produktionssektor):

Einnahmen = Ausgaben

Den Wirtschaftseinheiten des Unternehmenssektors fliessen die Erlöse aus der Vermarktung von Konsumgütern an private und öffentliche Haushalte zu. Aus dem Finanzsektor kommen die Gelder für die hergestellten Investitionsgüter, vom Staat fliessen Subventionen, vom Ausland her Exporterlöse. Vom Unternehmenssektor her gehen Löhne, Zinsen und Gewinne an die Haushalte. Abschreibungen und unverteilte Gewinne dienen der Selbstfinanzierung, also der Bezahlung der Ersatz- und eines Teils der Neuinvestitionen. Steuern fliessen den Staatshaushalten zu. Zahlungen für Importe gehen ans Ausland.

Nettowertschöpfung zu Faktorenkosten = Volkseinkommen

Der Unternehmenssektor generiert die Wertschöpfung einer Volkswirtschaft. Die in einem Zeitraum, üblicherweise in einem Jahr, neu erzeugten Güter umfassen die an private und öffentliche Haushalte in diesem Zeitraum vermarkteten Konsumgüter, alle nicht dem Ersatz verbrauchter (abgeschriebener) Investitionen dienenden Investitionsgüter und das, was mehr exportiert als importiert wurde. Erfolgt die Ermittlung der Wertschöpfung auf Grund von Marktpreisen, so muss diese Wertschöpfung um die Subventionen erhöht und um die indirekten Steuern vermindert werden. Subventionen verfälschen Marktpreise nach unten, indirekte Steuern, z.B. die Mehrwertsteuer, verfälschen Marktpreise nach oben. Die um die Subventionen und indirekten Steuern korrigierte Wertschöpfung zu Marktpreisen bezeichnet man als die Wertschöpfung zu Faktorenkosten. Sie entspricht wertmässig den für die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden ausgezahlten Löhne, Zinsen und Gewinne. Die Bruttowertschöpfung umfasst alle in einer Zeitperiode von den Einwohnern eines Landes hergestellten Güter. Sie wird auch als Bruttosozialprodukt bezeichnet. Zählt man von dieser Gütermenge jene Güter weg, die zum Ersetzen verbrauchter Investitionsgüter verwendet werden, errechnet man die Nettowertschöpfung. Die Nettowertschöpfung zu Faktorenkosten entspricht dem Wert nach dem Volkseinkommen. Das Volkseinkommen ist die Summe der Einkommen, also der Löhne, Zinsen und Gewinne, die in einem Zeitraum den Einwohnern eines Landes zufliessen.

Konsumsektor (private Haushalte)

Einnahmen = Ausgaben

Die Haushalte bieten Arbeit und Kapital auf den Faktorenmärkten an. Dabei entscheiden sie über die Aufteilung ihrer Zeit auf Arbeitszeit und Freizeit. Das auf den Faktorenmärkten erzielte Einkommen (Lohn, Zins und Gewinn) und die vom Staat zufliessenden Transferzahlungen (Renten, Sozialhilfe etc.) wird von den Haushalten zur Beschaffung von Konsumgütern und zum Bezahlen von Steuern und Abgaben verwendet. Was nach diesen Ausgaben übrig bleibt, gilt als gespart und erhöht das Vermögen.

 

  1. Märkte
  2. Konsumenten
  3. Wirtschaftsordung
  4. Wirtschaftsbeziehungen
  5. Produzenten

 


Bitte senden Sie Ihre Kommentare an Dr. R. Furrer-Ritschard. Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisert am 11.10.2005