Das Idealbild des vollkommenen Marktes


Die Voraussetzungen des vollkommenen Marktes:

Viele Anbieter: Die Anbieter sind so zahlreich, dass kein Anbieter Marktmacht hat. Kein Anbieter kann den Marktpreis beeinflussen. Für jeden Anbieter ist der Marktpreis ein gegebenes Faktum. Alle Anbieter sind reine Mengenanpasser. Sie bestimmen aufgrund ihrer Kosten die Menge, die sie beim gegebenen Marktpreis anbieten.

Viele Nachfrager: Auch die Nachfrager sind so zahlreich, dass der einzelne Nachfrager ohne jede Marktmacht ist. Auch für die Nachfrager ist der Marktpreis ein Faktum, das sie nicht beeinflussen können. Auch die Nachfrager sind Mengenanpasser. Die Höhe des Marktpreises bestimmt die von ihnen nachgefragte Menge. In der Regel gilt: Je höher der Marktpreis, je weniger will ein Nachfrager kaufen.

Volle Transparenz: Jeder Anbieter eines Gutes kennt nicht nur sein Angebot sondern auch die Angebote der Konkurrenz. Er ist auch über die Nachfrage orientiert. Er weiss jederzeit genau, wieviel zu welchem Preis nachgefragt wird. Jeder Nachfrager weiss nicht nur um seine eigene Nachfrage, sondern er kennt auch alle andern Nachfragen. Auch sind ihm alle Angebote bekannt. Er weiss, wieviel jeder Anbieter zu einem bestimmten Preis anbietet.

Homogenes Gut: Die auf dem Markt angebotenen Güter sind von einheitlicher Qualität und beliebig teilbar. Bei jedem Anbieter ist die Ware gleich wie bei den andern. Dem Nachfrager ist es egal, welches Stück er erhält, dem Anbieter ist es egal, von welchem Stück er sich trennen soll. Die eine Einheit des Gutes kann ohne weiteres gegen ein andere ausgetauscht werden. Auf einer Antiquitätenmesse gibt es nur Einzelstücke. Kein Tisch ist gleich wie der andere, kein Schrank ist gleich wie der andere. Auch das Gemüse auf einem Gemüsemarkt ist im allgemeinen nicht völlig homogen. Der Spinat beim einen Händler ist frischer, zarter oder vitaminreicher als beim andern Händler. Hingegen sind die an der Börse gehandelten Wertpapiere homogen. Eine Nestlé-Aktie unterscheidet sich von allen andern Nestlé-Aktien nur durch die Aktiennummer. Die Nestlé-Aktien des einen Anbieters sind genau gleich wie die Nestlé-Aktien aller andern Anbieter.

Rein ökonomisches Handeln der Anbieter und Nachfrager, also keine ausserökonomischen Präferenzen: Marktteilnehmer handeln oft irrational. Ein Nachfrager zahlt für einen Liter Pastmilch 10 Rp. mehr, weil sie angeblich aus der Gegend stammt, der Vater verkauft seinem Sohn die Liegenschaft unter dem Marktwert, der Quartierladen setzt auf die Bequemlichkeit der Quartierbewohner, eine Bar wird frequentiert, weil sie "in" ist oder wegen der attraktiven Barfrau, bzw. des attraktiven Barmanns oder weil die Musik gefällt. Sachliche, zeitliche, räumliche und persönliche Preferenzen führen dazu, dass mehr oder weniger als der Marktpreis bezahlt wird.

Die Ergebnisse des vollkommenen Marktes

In einem vollkommenen Markt herrscht Gleichgewicht. Es gibt für das Gut nur einen Preis, den Gleichgewichtspreis. Jeder Anbieter, der bereit ist, zum Gleichgewichtspreis zu verkaufen, findet einen Abnehmer. Jeder Nachfrager, der bereit ist, den Gleichgewichtspreis zu zahlen, findet einen Anbieter, der ihm verkaufen will. Es gibt weder einen Nachfrage-, noch einen Angebotsüberhang. Die zum Gleichgewichtspreis angebotene Menge entspricht der nachgefragten Menge. Der Gleichgewichtspreis räumt den Markt. Es gibt keine Anbieter, die auf ihrer Ware sitzen bleiben, und keine Nachfrager, die leer ausgehen, vorausgesetzt sie sind gewillt zum Marktpreis zu verkaufen, bzw. zu kaufen. Der Umsatz ist maximal.

Jevons Gesetz von der Unterschiedslosigkeit der Preise

Das Gesetz besagt, dass für ein Gut nur ein (einheitlicher) Preis gelten kann, wenn räumliche, zeitliche, sachliche und persönliche Differenzierungen entfallen sowie vollkommene Information herrscht.

Beispiele

Die Wertpapierbörse

Als Beispiel für einen annähernd vollkommener Markt kann die Wertpapierbörse angeführt werden. Der einzelne Händler hat keinen Einfluss auf die Börsenkurse. Er kann nur entscheiden, ob er bei einem bestimmten Kurs Wertpapiere kaufen oder verkaufen will. Er ist ein Mengenanpasser. Es ist ihm auch egal, von wem er kauft, bzw. an wen er verkauft. Er hat keine ausserökonomischen Präferenzen. Wertpapiere werden nur der Gattung nach bestimmt. Es ist dem Händler egal, welche Stücke er hergeben muss, bzw. welche Stücke er bekommt. Alle Wertschriften einer bestimmten Gattung sind homogen. Es gibt für den Händler keine Exemplare, die besser oder schlechter wären.

Spotmärkte für Erdöl

Jede Mineralölgesellschaft wird sich zeitweise überschüssen und zeitweise einem Mangel bei einzelnen Produkten oder Rohölqualitäten gegenübersehen, die es kurzfristig auszugleichen gilt. Hierfür bietet sich der Spotmarkt an. Spotmärkte dienen dem kurzfristigen Handel mit Mineralölprodukten und Rohölen. Sie sind regionale Märkte, da der kurzfristige Ausgleich lokaler Versorgungslücken keine langen Transportzeiten erlaubt. Der Spotmarkt für Nordeuropa ist der Rotterdamer Markt . Aus der Sicht der Verkäufer stellt der Spotmarkt einen Mechanismus dar, der es ermöglicht, dauerhaft oder vorübergehend anfallende Ueberschüsse abzusetzen. Für die Käufer besteht das Interesse an diesem Markt vor allem darin, günstige Angebote wahrzunehmen und in Knappheitssituationen einen "Markt der letzten Zuflucht" zu haben.