Der Einfluss des Investieren, Konsumierens und Sparens auf das Gesamteinkommen

Haushalte konsumieren. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein Teil des Konsums unabhängig vom Einkommen, ein anderer Teil vom Einkommen abhängig erfolgt. Der Gesamtkonsum (C) besteht somit aus autonomem, vom Einkommen unabhängigem Konsum (Ca) und induziertem, vom Einkommen abhängigem Konsum. Die Grenzneigung zum Konsum (c) gibt an, welchen Anteil eines zusätzlichen Einkommens (Y) für Konsum ausgegeben wird. Bei der unten aufgeführten Konsumfunktion wird angenommen, dass die Grenzneigung zum Konsum konstant bleibt, also unabhängig von der Einkommenshöhe ein konstanter Bruchteil des Einkommens, z.B. 80%, als Konsumausgaben von den Haushalten zu den Produzenten fliesst. Diese Annahme muss nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Möglicherweise wird mit steigendem Einkommen der Anteil, der dem Konsum dient, kleiner.

Wenn der Konsum der Haushalte kleiner ist als ihr Einkommen, sparen die Haushalte. Liegt der Konsum über dem Einkommen, verbrauchen die Haushalte Vermögen. Sie entsparen. Bei der unten aufgeführten Sparfunktion entspricht das autonome Sparen (Sa) dem autonomen Konsum (Ca). Die Grenzneigung zum Sparen (s) gibt an, welchen Anteil eines zusätzlichen Einkommens (Y) gespart wird.

Haushalte streben nach einem Gleichgewicht. Das von ihnen für eine Zeitperiode geplante Sparen und der von ihnen für eine Zeitperiode geplante Konsum soll dem erwarteten Einkommen entsprechen.

Unternehmen produzieren. Ein Teil der Produktion geht von den Unternehmen zu den Haushalten und wird dort konsumiert. Güter, die nicht von den Haushalten gekauft werden, verbleibt als Investitionen im Produktionssektor. Unternehmen liefern diese Güter an andere Unternehmen oder verwenden die von ihnen produzierten Güter selbst. Man spricht von Ersatzinvestitionen, wenn Unternehmen die durch den Produktionsprozess verbrauchte Produktionsgüter ersetzen. Neuinvestitionen vergrössern den Kapitalstock. Zum Beispiel wird der Maschinen- und Fahrzeugpark durch neue Maschinen und Fahrzeuge erweitert, neue Immobilien entstehen, die Vorräte werden aufgestockt. Jede Produktion unabhängig davon ob die Erzeugnisse in den Konsumsektor gehen oder im Unternehmenssektor verbleiben, generiert primäres Einkommen in der Form von Lohn, Zins und Gewinn. Die Ersparnisse entsprechen den Investitionen.

Unternehmen streben nach einem Gleichgewicht. Die Produktion soll dem von den Haushalten geplanten Konsum und den von den Unternehmen geplanten Investitionen entsprechen. Wird von den Haushalten weniger als erwartet konsumiert, kommt es bei den Unternehmen zu ungeplanten Investitionen, üblicherweise zu einer ungeplanten Vorratszunahme. Wird mehr als erwartet konsumiert, nehmen die Vorräte ungeplant ab. Es kommt zu ungeplanten Desinvestitionen. Im nachhinein (ex post) gilt immer und in jedem Fall die folgende allgemeine Gleichung:

Für ein makroökonomisches Gleichgewicht muss aber gelten:

Nur wenn keine ungeplanten Grössen existieren, gibt es keine Ueberraschungen, mithin ein Gleichgewicht.

Veränderungen bei den Investitionen, beim autonomen Konsum oder bei der Grenzneigung zum Konsumieren führen zu einem neuen Gleichgewicht.

In der obigen Abbildung liegt das Gleichgewichtseinkommen bei 250, wenn nur konsumiert, nicht gespart und folglich auch nicht investiert wird. Verändern sich die Investitionen von 0 auf 50, erhöht sich das Gleichgewichtseinkommen auf 500. Das selbe liesse sich auch durch einen von 50 auf 100 erhöhten autonomen Konsum bewirken. Auch eine Grenzneigung zum Konsum von 0.9 statt 0.8 führt bei einem autonomen Konsum von 50 und Investitionen von 0 zu einem Gleichgewichtseinkommen von 500. Die nachfolgende Sequenzanalyse zeigt auf, weshalb eine kleine Veränderung der Investitionen eine um ein Vielfaches grössere Veränderung des Gesamteinkommens hervorruft.

Eine einmalige Investitionserhöhung von 0 auf 50 erhöht in der 1. Sequenz das Einkommen von 250 auf 300. Da der Konsum vom Einkommen abhängt, steigt bei einer Grenzneigung zum Konsum von 0.8 der Konsum in der 2. Sequenz von 250 auf 290. Als Folge davon erhöht sich das Einkommen von 300 auf 340. Von diesem Einkommen wird in der 3. Sequenz wieder 4/5 für Konsum verwendet. Dies hebt den Konsum von 290 auf 322 und das Einkommen auf 372. Dieser Prozess setzt sich fort bis das neue Gleichgewichtseinkommen von 500 erreicht wird.

Veränderungen des autonomen Konsums und auch Veränderungen der Grenzneigung zum Konsum wirken kurzfristig auf das Gesamteinkommen wie Veränderungen der Investitionen.

Investitionen sind vor allem von den Zinskosten und von den Gewinnerwartungen der Unternehmen abhängig. Es wird investiert, wenn das für die Investitionen nötige Geld zu einem tiefen Zinssatz erhältlich ist und durch die Investitionen in der Zukunft höhere Gewinne erzielt werden können. Steigen die Gewinne, steigt auch das Gesamteinkommen, vorausgesetzt alle anderen Einkommensteile, insbesondere das Arbeitseinkommen, bleiben konstant. Vor allem bei sogenannte Rationalisierungsinvestitionen ist diese Voraussetzung oft nicht gegeben. Sie sind darauf ausgerichtet, die Gewinne zulasten der Löhne anzuheben. Sie zielen auf eine Umverteilung der Einkommen, nicht auf eine Steigerung des Gesamteinkommens. Trotzdem, auch Rationalisierungsinvestitionen führen in der Investitionsgüterindustrie zu Beschäftigung. Wie jede andere Investitionserhöhung sind sie Impuls für eine Einkommenssteigerung.