Wissen und Können, ein Plus für Europa !

Die unterste Schicht der japanischen Arbeiter ist gut ausgebildet, doch es mangelt an Kreativität im obern Bereich. Amerika dagegen verfügt über ein hohes Mass an Kreativität an der Spitze, doch die untere Schicht ist unterqualifiziert. Nur Europa kann von sich behaupten, beide Kriterien zu erfüllen.


Europe invents, but doesn't innovate enough

Pascal Couchepin
Bundesrat


Wohlstand und Arbeitsplätze sind heute mehr denn je bestimmt durch die Arbeit unserer Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Ingenieurinnen und Ingenieure.

In der Grundlagenforschung, allgemein in den Wissenschaften, ist die Leistung Europas so hervorragend wie je. Gemessen am Echo der scientific community auf wissenschaftliche Publikationen ist die Schweiz gar "Weltmeister". Auch die Struktur der bearbeiteten Gebiete ist ausgezeichnet : die für die Zukunft entscheidenden Felder werden erforscht, und zwar mit grossem Erfolg. Die grösste Schwäche der europäischen und schweizerischen Wirtschaft ist ihre vergleichsweise geringe Fähigkeit zur Umsetzung wissenschaft licher Durchbrüche in zukunftsfähiges technisches Know-how und in industrielle und kommerzielle Erfolge. Die Technikentwicklung an sich ist noch mehr oder weniger effizient. Ihre Vermarktung und Nutzung für neue Produkte ist aber mangelhaft. :

DIE WISSENSBASIERTE VOLKSWIRTSCHAFT

In der wissensbasierten (wissensgetriebenen) Volkswirtschaft wird Wissen immer mehr selbst zum Produktionsfaktor und erzeugt für sich allein wirtschaftliche Werte. Produkte bestehen immer häufiger zum überwiegenden Teil aus Wissen und Wissen treibt das wirtschaftliche Wachstum.


Für die Herstellung vieler Produkte (z.B. Computer, Telephone, Haushaltgeräte usw.) braucht es immer mehr Wissen, immer weniger Material und oft wird auch der Kapitaleinsatz kleiner. Wissensakkumulation und nicht primär einen grössern Kapitaleinsatz steigert die Produktivität im Unternehmen.


Bildungsausgaben

Viel hilft nicht immer viel Oft gilt das Geld, das ein Staat in die Bildung steckt, als Gradmesser für ein hochwertiges und effizientes Bildungssystem. Hohe Bildungs-ausgaben allein gewährleisten allerdings noch lange keine besseren Schulleistungen.


Kleinere Klassen, mehr Lehrer, Bücher oder PCs kosten mehr Geld, bedeuten aber nicht automatisch bessere Schulleistungen. Wie gut Schüler lernen, hängt auch davon ab, wie effizient man die für das Bildungssystem bereitgestellten Mittel einsetzt.

 

 

20% der gesamten Staatsausgaben gehen in die Bildung

Bund, Kantone und Gemeinden haben im Jahr 2003 25,8 Mrd. Fr. für die Bildung ausgegeben.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik sind die Bildungsausgaben der öffentlichen Hand - nach einer Stagnation Anfang der neunziger Jahre - ab 1997 wieder gewachsen. Lagen sie 1980 bei knapp 15 Mrd. und 1990 bei 16,2 Mrd., so wuchsen sie 2002 auf 25 Mrd. und 2003 auf 25,8 Mrd. Franken an. Und das Bundesamt rechnet für 2004 mit weiter wachsenden Ausgaben.

Der Anstieg der Ausgaben ist zum Teil auf die Zunahme der Zahl der Lernenden zurückzuführen, wurde aber auch durch neue Anforderungen an die Lehrgänge und Aufbau neuer Bildungsangebote verursacht.

Kantone und Gemeinden tragen die Hauptlast - 87 % - der Finanzierung.

Die Bildungsausgaben des Bundes werden zur Hauptsache durch den Posten Hochschulen bestimmt. Die deutliche Ausgabensteigerung des Bundes ab 1997 lässt sich insbesondere auf die neu entstandenen Fachhochschulen zurückführen. Deren Unterhalt ist nämlich insgesamt teurer als die ehemaligen höheren Fachschulen (darunter die Technikums), aus denen die Fachhochschulen entstanden sind.

Hälfte für obligatorische Schule

Seit 1990 kommt jeweils, wie die Statistiken ergeben, über die Hälfte der öffentlichen Bildungsausgaben der obligatorischen Schule (Primar- und Sek-I-Stufe) zu, welche schliesslich auch die meisten Lernenden (70 %) aufweist. Ein Viertel der Mittel fliesst in die Tertiärstufe (Hochschulen, höhere Berufsbildung) und rund ein Fünftel in die Sekundarstufe II (Gymnasien, Berufsausbildung). Der Anstieg ist beachtlich. So wurden die Investitionen in die obligatorische Schule wurden 1990 bis 2003 von 8,5 auf 13,4 Mrd.Fr. erhöht, jene in die Sekundarstufe II von 3,9 auf 5,2 Mrd.Fr.und jene in die Tertiärstufe von 3,4 auf 6,6 Mrd. Fr.

 

Bildung ein wichtiger Budgetposten

Gemeinsam mit der sozialen Wohlfahrt gehört der Bereich Bildung mittlerweile zu den wichtigsten Budgetposten der öffentlichen Hand. 2003 beliefen sich die öffentlichen Gesamtausgaben auf insgesamt 136 Milliarden Franken. Davon wurden je 19 Prozent in die Bildung und in die soziale Wohlfahrt investiert. Umgerechnet in Ausgaben pro Einwohner betrugen die Gesamtausgaben der öffentlichen Hand 18 300 Franken. Und davon wurden 3600 Franken für Bildungszwecke aufgewendet. Im OECD-Schnitt gemessen am Bruttoinlandsprodukt (Bip) liegt der Anteil der Bildungsausgaben in der Schweiz seit längerem bei rund fünf bis sechs Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt der OECD-Länder. Das heisst, es ist etwas weniger als in Frankreich und Oesterreich, aber mehr als in Deutschland, den USA und in Italien. Am höchsten ist der Bip-Anteil in Schweden mit über 7 Prozent.

Wissen ist nicht nur das, was man in der Schule lernt !

Wissen ist vielschichtig: Faktenwissen, d.h. das Wissen um die Realität, d.h. Wissen über die natürliche, die technische, die wirtschaftliche und die soziale Umwelt muss mit Theoriewissen über die Zusammenhänge zwischen den Fakten und mit Erfahrungswissen (Know-how) verknüpft werden, nur dann lässt sich Wissen als tragender Produktionsfaktor einsetzen.

Wichtig für die Wertschöpfung ist das Fakten-, Theorie- und Erfahrungswissen über Menschen und ihre sozialen Beziehungen.

Humankapital wichtigste Einflussgrösse auf das Wirtschaftswachstum

Die OECD weist nach, dass Zuwächse beim Humankapital in den achtziger und neunziger Jahren, neben einer auf niedrige Inflation und solide öffentliche Finanzen ausgerichteten makroökonomische Politik, eine der wichtigsten Einflussgrößen des Wirtschaftswachstums waren. Mit einem geschätzten Beitrag von durchschnittlich 0,4% zum jährlichen Wachstum der Produktivität gibt es kaum einen anderen Faktor der ähnlich große Bedeutung für das Wirtschaftswachstum hat (berücksichtigt in diesem Vergleich wurden die Investitionsquote, Humankapital, Bevölkerungswachstum, Variabilität der Inflation, Größe des staatlichen Sektors und die Nachfrageintensität).