Ab 2050 ist wieder viel Platz

Fred Pearce

Neue Hochrechnungen zeigen, dass das Horrorszenario der Bevölkerungs-explosion nicht eintreten wird. Grund: Die Frauen verzichten lieber auf Kinder - auch in der Dritten Welt.

Prognose für Italien: In den nächsten hundert Jahren wird die Einwohnerzahl von 56 auf 8 Millionen fallen. Der Babyboom scheint sich in einen Babymangel zu verwandeln. Und zwar nicht nur in der reichen Welt, sondern zunehmend auch in armen Ländern.

Schon in fünfzig Jahren könnte sich die Weltbevölkerung im freien Fall befinden. Der einzige Ausweg aus diesem Szenario: Männer müssten sich vermehrt wie Frauen verhalten.

Das extremste Beispiel ist Italien. Die Töchter des Stiefels bringen weniger Kinder zur Welt als junge Frauen sonst wo in Europa. Es ist eine schöne Ironie, dass ausgerechnet das Heimatland der katholischen Kirche, die ja bekannt ist für ihre Ablehnung der Geburtenkontrolle, derart tiefe Reproduktionsraten aufweist - weit entfernt von jenem Wert, der eine stabile Bevölkerungszahl garantierte. Im Durchschnitt bekommen Italienerinnen 1,2 Kinder; um einen Bevölkerungsschwund zu verhindern, bräuchte es fast das Doppelte.

Andernorts sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht ganz so extrem. Abnahme der Weltbevölkerung - das klingt zunächst positiv. Ohne Zweifel wird sich der Druck auf die natürlichen Ressourcen verringern. Doch die Welt mit schwindender Bevölkerung wird eine ganz andere sein als die unsere: viel älter, konservativer, vielleicht auch weniger innovativ. Es wird eine Welt sein, in der die Arbeitskraft zunehmend ein knappes Gut ist und sich die reichsten Ländern um Immigranten streiten, statt sie abzuweisen. Eine ziemliche Kehrtwende. Seit den siebziger Jahren haben uns die Prognostiker mit Bevölkerungszahlen geängstigt, die selbst die optimistischsten Annahmen bezüglich Nahrungs-, Wasser- und Landressourcen weit zu überflügeln schienen - und gleichzeitig zu einer Welt führen, die zunehmend aufgeheizt, verschmutzt und zugepflastert ist. Bislang haben ihnen die Zahlen Recht gegeben. Im 20. Jahrhundert hat sich die Weltbevölkerung fast vervierfacht, von 1,6 auf 6 Milliarden. Der Babyboom erreichte seinen Höhepunkt in der Mitte des letzten Jahrhunderts und ist auch jetzt noch nicht vorbei. Doch gleichzeitig ist die Geburtenrate rasch gefallen. 1950 kamen im Schnitt 5 Kinder pro Frau zur Welt - heute sind es noch 2,7.

Die sinkende Geburtenziffer dürfte zum dominierenden demografischen Thema des 21. Jahrhunderts werden. Die Demografen haben lange Zeit angenommen, dass im Laufe des Jahrhunderts immer mehr Frauen der Welt in einer konventionellen Kernfamilie westlicher Art leben werden - Mutter, Vater und zwei Kinder. So würde sich die Weltbevölkerung etwa ums Jahr 2100 bei zehn Milliarden stabilisieren. Doch niemand hat den Frauen von diesem Plan erzählt, und so gewinnt die Meinung Oberhand, dass Italien das führende Beispiel sei auf dem Weg in eine Zukunft mit Geburtenraten weit unter bevölkerungserhaltendem Niveau.

Enorme Auswirkungen

Die Daumenregel besagt, dass es für eine stabile Bevölkerungszahl 2,1 Kinder pro Frau braucht; die zusätzlichen 0,1 sind eine Kompensation für jene Mädchen, die das gebärfähige Alter nicht erreichen. Mit einer Geburtenziffer von 1,2 ist Italien ein gutes Stück davon entfernt. Doch das Land ist nicht allein. Spanien und Griechenland haben ähnlich tiefe Geburtenraten, ebenso Tschechien, Russland, Armenien und weitere Staaten des ehemaligen Ostblocks. Die neusten offiziellen Vorhersagen, die die Uno noch dieses Jahr in eine endgültige Form bringen will, dürften zum Schluss kommen, dass schon in zwei Generationen achtzig Prozent der Frauen höchstens noch zwei Kinder haben werden.

Warum nimmt die Welt die sich anbahnende demografische Veränderung nicht zur Kenntnis? Hauptsächlich, weil die Kinder der grössten Bevölkerungsexplosion der Geschichte jetzt selber im gebärfähigen Alter sind. Deshalb kommen heute trotz der tieferen Geburtenraten mehr Kinder zur Welt als je zuvor. Weil gleichzeitig auch noch die Lebenserwartung steigt, hält sich die Zahl der Europäer derzeit auf stabilem Niveau, während die Weltbevölkerung jährlich um etwa achtzig Millionen zunimmt. Doch wenn die Zeit kommt, da die Babyboomer des 20. Jahrhunderts wegzusterben beginnen, wird der Bevölkerungscrash schwerlich aufzuhalten sein.

Fast egal, was jetzt noch passiert: Die Weltbevölkerung wird zu sinken beginnen - wahrscheinlich zum ersten Mal seit der Pestepidemie im 14. Jahrhundert.

Die zentrale Frage ist: Warum wollen die Frauen weniger Nachkommen haben, und wie weit wird dieser Unwille gehen? Ganz offensichtlich bewirkt die abnehmende Kindersterblichkeit, dass die Menschen es nicht mehr für nötig halten, viele Kinder zu haben. Weitere Faktoren haben diesen Prozess beschleunigt. In einem Bauernbetrieb sind Kinder nützliche Arbeitskräfte. In Städten sind sie eine Belastung - in rein wirtschaftlicher Hinsicht zumindest. Wenn sie klein sind, muss rund um die Uhr jemand auf sie aufpassen; wenn sie älter werden, brauchen sie eine teure Ausbildung. Schliesslich haben kulturelle Veränderungen die Frau von ihrer Rolle als Gebärerin befreit. In armen Ländern mit traditionell patriarchalen Strukturen hat das Fernsehen vielen Frauen eine neue Welt gezeigt, und moderne Methoden der Empfängnisverhütung helfen ihnen, neue Rollen tatsächlich zu leben. "Heiraten und Kinderkriegen sind einfach nicht mehr so wichtig wie früher", sagt Tim Dyson von der renommierten London School of Economics.

Ueber sechzig Länder haben heute Geburtenraten, die nicht mehr ausreichen, die Bevölkerungszahl zu erhalten. In keinem sind Anzeichen einer nachhaltigen Erholung zu sehen. Zu diesen Ländern stiessen jüngst viele der karibischen Staaten, Japan, Korea und China, das bevölkerungsreichste Land der Welt; Thailand, Sri Lanka und Iran dürften noch dieses Jahr folgen.

Im Bewusstsein der "enormen Auswirkungen" dieser Entwicklung für die Zukunft der Menschheit hat Joseph Chamie, Direktor der Uno-Organisation für Bevölkerung, im vergangenen März zu einer Expertenkonferenz nach New York geladen. Wissenschaftler aus Indien, Brasilien, Indonesien, Mexiko und der Türkei - aus Ländern, die das globale Bevölkerungswachstum der letzten fünfzig Jahre massgeblich angeheizt haben - sagten an der Konferenz, sie erwarteten, dass die Geburtenziffer ihrer Länder den kritischen Punkt innerhalb der nächsten zwanzig Jahre erreichen werde. Ausser China praktizierte keines dieser Länder Zwangsverhütung. Eher das Gegenteil. In Brasilien etwa sorgt Widerstand von Seiten der katholischen Kirche dafür, dass es kein staatliches Familienplanungsprogramm gibt. Trotzdem haben Millionen von Frauen Sterilisationskliniken aufgesucht, und die Geburtenziffer ist in zwanzig Jahren auf die Hälfte gesunken und liegt heute bei 2,3. Noch bemerkenswerter ist der Fall Iran. 1994 reisten die damals regierenden Mullahs an die Uno-Bevölkerungskonferenz in Kairo und meldeten Widerstand gegen die internationale Agenda zur Verringerung der Geburtenrate an. Zu Hause aber übernahmen die Frauen die Kontrolle über ihren Körper und liessen die Geburtenzahlen von 5,5 Kindern pro Frau im Jahre 1988 auf nur 2,2 im Jahr 2000 fallen.

Wohlstand ist nicht mehr Voraussetzung für das Sinken der Geburtenzahlen. Bangladesch gehört heute zum halben Dutzend ärmster Länder ausserhalb Afrikas. Die Mädchen von Bangladesch gehören zu den am schlechtesten ausgebildeten, und ihr Heiratsalter ist tiefer als in den meisten Ländern. Und doch haben sie im Schnitt nur 3,3 Kinder, halb so viele wie ihre Mütter. Im noch ärmeren Vietnam haben Frauen ihre Fortpflanzungsrate zwischen 1985 und 1995 auf 2,3 Kinder halbiert.

"Italien ist die Zukunft"

Ob reich oder arm, sozialistisch oder kapitalistisch, islamisch oder katholisch, mit oder ohne strenge Familienplanung - die meisten Länder erzählen die gleiche Geschichte: Frauen bestimmen selber, wie viele Kinder sie gebären wollen. Zwei grosse Studien sind kürzlich der Frage nachgegangen, was Ländern mit rasch sinkender Fruchtbarkeit gemein ist. Das Ergebnis: Nichts, ausser der Verfügbarkeit von erschwinglicher Verhütung. Dyson gehört zu den Demografen, die die neuesten Entwicklungen mit einer neuen Theorie erklären: kulturelle Diffusion. Keine Kinder zu haben, ist zu einem Ausdruck von Modernität und Emanzipation geworden, und es ist unwahrscheinlich, dass Frauen die neue Freiheit wieder aufgeben. Sie beginnen, die Gesellschaft mitzugestalten.

"Geh ins ländliche Indien", sagt Dyson, "und du wirst sehen, dass die Frauen die Nase voll haben von den Männern. Es sind die Frauen, die die landwirtschaftlichen Betriebe führen. Es sind die Frauen, die Jobs finden und Verantwortung übernehmen. Sie haben keine Zeit mehr, Kinder zu haben." Wenn Männer nicht mehr alleine bestimmten, könnten ihr Nutzen für die Gesellschaft und die alte indische Vorliebe für Söhne schwinden, sagt er. Auch das wird zur Senkung der Geburtenrate beitragen, wenn Eltern nicht nur Söhne, sondern auch Töchter als potenzielle Familienoberhäupter einer neuen Generation anerkennen.

Wohin führt das alles? Jack Caldwell von der Australian National University in Canberra, Doyen der Demografen, ist überzeugt: "Italien ist die Zukunft." Italiens niedrige Fortpflanzungsraten hätten ihre Ursache in der Emanzipation der Frauen oder vielmehr im Verharren der Männer in ihrer traditionellen Rolle, glaubt er. Eine junge Italienerin sei heute mindestens so gut ausgebildet wie ihr männliches Gegenüber und habe dieselben Erwartungen. Sich mit der Aufzucht von Kindern zu beschäftigen, sei das Letzte, was sie wolle. Der französische Demograf Jean-Claude Chesnais vom Institut national d¹études démographiques in Paris geht noch weiter. Der Betreuungsnotstand in Ländern wie Italien sei eine enorme Hürde, und die wirtschaftlichen Opfer, die eine Frau mit Kindern bringen müsse, würden als unerträglich betrachtet. Caldwells Kollege von der Australian National University, Peter McDonald, führt das südeuropäische Phänomen auf eine einseitige Entwicklung im Geschlechterkampf zurück: Frauen haben zwar dank besserer Ausbildung und Erwerbsarbeit mehr Freiheiten. Aber in ihren Beziehungen zu Männern oder in Bezug auf staatliche Dienstleistungen für die Familie hat sich nicht viel getan. Wirtschaftlicher Liberalismus beisst sich mit sozialem Konservatismus. Die Folge: ein Gebärstreik.

Nordeuropäerinnen sind gebärfreudiger

Nicht ganz Europa verhält sich freilich wie Italien. In Schweden etwa fühlen sich junge Frauen eher in der Lage, Kinder auf die Welt zu stellen. Sie haben im Durchschnitt 1,6 Kinder. Das ist zwar nicht genug, um die Bevölkerung langfristig zu halten, aber es ist auch keine Katastrophe. In der Tat verzeichnen die meisten Länder Nordeuropas höhere Geburtenraten als die Mittelmeerländer. In Norwegen beträgt sie 1,8, in England und Finnland 1,7. Warum ist eine Schwedin der Fortpflanzung weniger abgeneigt als eine Italienerin? Karriere machen wollen beide. Der Unterschied liegt darin, dass es der Schwedin eher gelingen wird, Karriere und Mutterschaft zufriedenstellend zu kombinieren. Ihre Verehrer sind im Haushalt besser geübt, und die nordischen Regierungen greifen Eltern eher unter die Arme, wenn es darum geht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Etwa jede zweite berufstätige Frau in Schweden arbeitet Teilzeit, Krippen gibt es zuhauf, und der bezahlte Elternschaftsurlaub dauert ein Jahr. All das ist undenkbar in Italien, wo nur zwölf Prozent der berufstätigen Frauen Teilzeitstellen haben, oder für die Bewohner der Länder Osteuropas, wo das Verschwinden staatlich unterstützter Familiendienstleistungen nach dem Ende des Kommunismus die Geburtsraten stark fallen liess. Wird die übrige Welt dem nördlichen oder dem südlichen Europa folgen? Für Caldwell sind die Zeichen klar: "Das mediterrane patriarchale Modell ist in der Welt weit mehr verbreitet als das nordische Modell der hilfsbereiten Ehemänner." McDonald sagt, dies sei im Osten Asiens bereits ersichtlich, wo konservative Familienwerte für die extrem tiefen Geburtenzahlen von Schanghai bis Tokio verantwortlich sind. Sogar in Australien seien italienische und griechische Familien deutlich kleiner als ihre angelsächsischen Pendants.

Ein uneinheitliches Bild bietet Afrika, wo Familien mit fünf, sechs Kindern in einigen Ländern nach wie vor den Normalfall bilden. Doch hier dämpft ein weiterer Faktor das Bevölkerungswachstum: Aids. Die Uno erwartet in den nächsten fünf Jahren fünfzehn Millionen Aids-Tote, die meisten davon in Afrika. In Botswana und Simbabwe ist die Lebenserwartung von sechzig auf knapp über vierzig Jahre gefallen. In einigen wirtschaftlich weiter entwickelten afrikanischen Staaten fallen die Geburtenziffern parallel zum Anstieg der Sterberaten. In Kenia ist die Geburtenrate innerhalb zweier Jahrzehnte von acht auf unter fünf Kinder pro Frau gefallen, und sie könnte in weiteren zehn Jahren unter drei liegen. Bei der hohen Kindersterblichkeit wegen Aids dürfte diese Ziffer nicht mehr zum Erhalt der jetzigen Bevölkerung ausreichen. Kenia könnte das erste afrikanische Land werden, dessen Bevölkerung abnimmt. Industriestaaten beklagen sich bereits über die Folgen der verminderten Fortpflanzung. Eine alternde Bevölkerung setzt das Sozialversicherungssystem unter Druck. Japan erwartet, dass seine Einwohnerzahl im Jahr 2006 den Zenit überschreitet und bis 2050 um vierzehn Prozent - annähernd zwanzig Millionen Menschen - abnimmt. Deutschland sieht einer ähnlichen Entwicklung entgegen. Italien und Ungarn dürften bis 2050 gar ein Viertel, Russland ein Drittel seiner Bevölkerung einbüssen. Hält die tiefe Geburtenrate an, wird sich die Situation zuspitzen, wenn die Babyboom-Generation ausstirbt.

Kommen weiterhin nur halb so viele Kinder zur Welt, wie zum Bevölkerungserhalt nötig wären, wird die Einwohnerzahl in Italien nach Berechnungen McDonalds in den nächsten hundert Jahren von 56 auf 8 Millionen fallen. Spanien verlöre 85 Prozent seiner Bevölkerung, Deutschland 83 Prozent.

Dieses Jahr haben Chamie und seine Mitarbeiter von den Vereinten Nationen die Bevölkerungsszenarien neu berechnet unter der Annahme, dass sich die durchschnittliche Fortpflanzungsrate weltweit bei 1,85 Kindern pro Frau stabilisiert. Ein solches Szenario erwartet ein Bevölkerungsmaximum von etwa 7,5 Milliarden um das Jahr 2050. Danach wird die Bevölkerung abnehmen. 2150 betrüge sie noch 5,3 Milliarden. Nimmt man tiefere Fortpflanzungsraten an, fällt das Szenario entsprechend dramatischer aus. Würde sich diese Kennzahl um 1,6 einpendeln - wie heute in Schweden -, so lebten in 150 Jahren noch 3,2 Milliarden Menschen, also nur wenig mehr als die Hälfte der heutigen Bevölkerung. Wie es herauskäme, wenn sich die italienischen Verhältnisse weltweit einbürgerten, hat Chamie noch nicht zu berechnen gewagt.

Erwacht der kollektive Ueberlebenstrieb? Doch vermutlich werden solche Szenarien nie Realität. Einige Staaten haben ihre Geburtenrate auf höherem Niveau stabilisiert. Argentinien oder Uruguay weisen seit fünfzig Jahren zwischen 2,5 und 3 Kindern pro Frau aus, in Israel und Malaysia liegt der Wert seit den neunziger Jahren um die drei. Einige afrikanische Staaten haben die demografische Trendwende noch nicht erreicht, und gewisse islamische Länder weisen Geburtenraten von 5,5 (Pakistan), 6,1 (Saudi-Arabien) oder 6,9 (Afghanistan) auf. Demografen erwarten, dass ein kollektiver überlebenstrieb erwachen wird, wenn der Trend zur Bevölkerungsabnahme anhält.

Politiker werden sich um die sozialen Folgen sorgen, um die Finanzierung der Altersvorsorge etwa oder die wachsende Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften. Solche Folgen werden Europa als Erstes treffen. "Es gibt wenig Zweifel, dass Geburtenförderung einen zentralen Platz auf der politischen Agenda erobern wird", sagt McDonald.

Die autoritäre Variante einer solchen Politik wäre der Versuch, Frauen aus dem Arbeitsleben zu verbannen und im Hause zu halten, Abtreibungen zu verbieten und den Zugang zu Familienplanungsangeboten zu beschränken. Doch das würde kaum funktionieren, sagt Dyson. Er plädiert dafür, das "Neu-Aushandeln" der Geschlechterrollen, wie es in den skandinavischen Ländern im Gang ist, fortzusetzen. Paradoxerweise müssten gerade die feministischen Einstellungen, die für die dramatische Entwicklung der letzten fünfzig Jahre verantwortlich waren, bestärkt werden. Es dürfte dabei aber weniger darum gehen, neue Freiheiten für Frauen zu schaffen, als den Männern und dem Staat neue Verantwortlichkeiten beizubringen. In den meisten Teilen der Welt, meint Dyson, sänken die Geburtenraten, weil die Frauen den Männern ähnlicher sein wollten. Da bleibt für Babys wenig Platz. Um das zu ändern, müssten Männer beginnen, den Frauen ähnlicher zu werden. Die Zukunft des Menschengeschlechts könnte davon abhängen.

Zurück