Wohlstandsverteilung


Armut contra Reichtum

600 Millionen Menschen leben von weniger als einem Dollar je Tag. Schätzungsweise 7 Millionen "High Net Worth Individuals (HNWI)" verfügen über ein Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar. Seit 1986 ist das Vermögen der HNWIs weltweit um 375 Prozent gestiegen. In der Schweiz gab es 1997 gemäss der Steuerstatistik 117'234 Millionäre, 2003 deklarierten 163'469 Steuerpflichtige ein Vermögen von mehr als einer Million Franken. Der Klub der Millionäre ist in der Schweiz markant grösser geworden. Bei der Erhebung 1991 hatten nur 72'822 Steuerpflichtige ein Vermögen von mindestens einer Million Franken. Im Jahr 2004 gab es in der Schweiz unter der Bevölkerung im Alter von 20 bis 59 Jahren 211'000 Working Poor. 6.7% der Erwerbstätigen waren arm, obwohl sie vollzeitlich einer bezahlten Arbeit nachgingen.

Wer ist arm ?

Arm ist, wer benachteiligt ist. Armut steht im Gegensatz zu Reichtum. Armut und Reichtum drücken Ungleichheit aus. Reiche gestalten ihre Umwelt und das Leben ihrer Mitmenschen. Wer reich ist, kann sich nicht nur all die schönen Dinge kaufen, die das Herz begehrt, sondern Reichtum verschafft ihm auch die Macht, all das zu tun, was er will. Armut hingegen steht für Unterversorgung in bezug auf Nahrung, Wohnung, Bekleidung, gesellschaftliches Leben etc. Ein Mensch lebt in Armut, wenn er nicht in der Lage ist, zahlreiche Dinge zu tun, die er gerne tun würde. Es mangelt ihm an Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Er fehlt ihm die Freiheit zu wählen.

In der Regel wird mit arm oder reich der Unterschied im Einkommen bewertet. Das Einkommen gilt als Indikator für die Möglichkeiten, die einem Menschen offen sind. Arm oder reich kann aber auch andere Unterschiede messen, Unterschiede beim Vermögen, bei Fähigkeiten und Wissen, bei Gefühlen usw. Nicht nur Einkommensarmut schränkt die Handlungsmöglichkeiten eines Menschen ein. Auch geistige oder körperliche Behinderungen, ob Frau oder Mann, ob gesellschaftlich angesehen oder ausgestossen, ob gesund oder krank bestimmen die Lebensqualität des Einzelnen.

Armut, bzw. Reichtum sind relativ. Die UNO hat berechnet, dass um eine bestimmte Lebensqualität zu erreichen, eine Familie in der Ersten Welt eine nahezu fünfzehnmal grössere Menge an Gütern und Dienstleistungen täglich benötigt, als eine Familie in der Dritten Welt braucht, um die gleiche Lebensqualität zu erreichen. Die wirtschaftliche Benachteiligung von jemandem, der in der dritten Welt mit weniger als 1 US-$ leben muss, entspricht der Ausgrenzung, die jemandem widerfährt, der in der ersten Welt mit weniger als 15 US-$ je Tag auskommen muss. Als armutsgefährdet gilt jeder Haushalt, dessen Einkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und der Steuern tiefer liegt als 60 % des Medianeinkommens aller Haushalte. Oder die Armutsgrenze wird bei 60% des medianen Nettoäquivalenzeinkommens angesiedelt. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist ein aus dem Haushaltsnettoeinkommen ermitteltes bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen, das jeder Person im Haushalt zugewiesen wird.

15 % der EU-Bevölkerung waren 2001 von Armut bedroht, d. h. lebten in Haushalten mit einem verfügbaren Aequivalenzeinkommen von weniger als 60 % des medianen Aequivalenzeinkommens ihres Landes. Allerdings verbergen sich hinter dieser Zahl beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern: so reicht die Bandbreite des armutsgefährdeten Bevölkerungsanteils von 9 % in Schweden bis hin zu 21 % in Irland.

Ueber alle Haushalte berechnet lag der Median des verfügbaren Aequivalenzeinkommens der Haushalte im Jahr 2002 in der Schweiz bei 3'737 Franken, d.h. die eine Hälfte der Haushalte lag über, die andere Hälfte unter diesem Wert. Die 20 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen hatten ein verfügbares Aequivalenzeinkommen von höchstens 2'452 Franken. Die 20 Prozent reichsten Haushalte verfügten über mindestens 5'576 Franken. Zusammen hatte das Fünftel der wohlhabenden Haushalte im Jahr 2002 über 3,8mal mehr Einkommen als das Fünftel der Haushalte mit dem geringsten Einkommen.

Absolut gemessen war im 2004 gemäss den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe eine Familie mit 2 Kindern arm, wenn ihr Nettoeinkommen pro Monat unter 4603 Franken lag, bei allein Stehenden betrug diese absolute Armutsgrenze 2490 Franken.

Der Index für menschliche Armut der UNO (HPI)

Der HPI (Human Poverty Index) für Drittweltstaaten ergibt sich aus 5 Indikatoren physischer Benachteiligung:

  • Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, die wahrscheinlich nicht älter als vierzig wird,
  • Prozentsatz der Kinder unter 5 Jahren, die als unterernährt eingestuft werden,
  • Prozentsatz erwachsener Analphabeten,
  • Prozentsatz der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser,
  • Prozentsatz der Menschen ohne Zugang zu Gesundheitsdiensten.

Für Erstweltländer gilt:

  • Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, die vermutlich nicht älter wird als vierzig,
  • Prozentsatz der arbeitsfähigen Bevölkerung, die arbeitslos ist,
  • Prozntsatz junger Menschen im höheren Schulbildungsalter, die nicht auf eine weiterführende Schule gehen.