ISEW
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ISEW (Index of sustainable economic welfare)

Der Index des nachhaltigen wirtschaftlichen Wohlstands korrigiert das Bruttoinlandprodukt um wohlstandsrelevante Grössen.

Als Berechnungsgrundlage für den ISEW dient der private Konsum der Bevölkerung eines Landes in einem Berichtszeitraum (Jahr). Dieser wird mit einem Index der Einkommensverteilung gewichtet. Die ermittelte Grösse wird dann um bisher im Bruttosozialprodukt nicht erfasste Aktivitäten wie z. B. unbezahlte Hausarbeit erweitert. Sie wird ausserdem um wohlfahrtsrelevante Grössen wie Kosten für Arbeitslosigkeit, Berufsverkehr, Verschmutzung von Wasser, Luft und Boden reduziert. Soziale Folgekosten gehen z. B. über die Bewertung von Zeitverlusten für Arbeitswege und durch Berücksichtigung der Kosten für Verkehrsunfälle ein. Die Umweltqualität wird durch die Integration von Schadenskosten berücksichtigt. Der ermittelte Wert wird durch die Bevölkerungszahl dividiert, um einen Pro-Kopf- Wohlfahrtsindex zu erhalten.

Der Wohlfahrtsindikator ISEW lässt vermuten, dass seit den 70er Jahren der Nettowohlstand in den hochentwickelten Gesellschaften nicht mehr zunimmt, obwohl das Inlandprodukt weiter steigt - es wachsen nur noch die "sozialen Kosten" des Wohlstands. Die Marktwirtschaft verkommt zunehmend zur Reparaturwerkstatt ihrer eigenen schädlichen Nebenwirkungen. In der USA hat sich das Bruttoinlandprodukt pro Kopf seit 1950 mehr als verdoppelt. Versucht man mit Hilfe des ISEW-Index das zu messen, was den Wohlstand und das Wohlbefinden wirklich und nachhaltig steigert, so sieht die Entwicklung wesentlich ungünstiger aus. Der ISEW fiel in der USA von US-$ 5800.- pro Kopf im Jahr 1950 auf US-$ 4500.- im Jahr 1992. In andern Ländern, z. B. in Grossbritanien oder Deutschland dürfte die Entwicklung ähnlich oder noch krasser sein.