Das Volks-Vermögen

Reich ist, wer ein grosses Vermögen hat, d.h. wer in einem bestimmten Zeitpunkt über viele Güter die absolute Verfügungsgewalt hat. Zieht man von Gesamtvermögen die Schulden ab, erhält man das Nettovermögen.
 

 

Alle Güter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Verfügungsgewalt der Einwohner eines Landes (=Inländerprinzip) sind, bzw. alle Güter, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb der Landesgrenzen (=Inlandprinzip) befinden, bilden das Volksvermögen.


Sind in einem Land die Forderungen an das Ausland grösser als die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland, hält dieses Land eine positive Nettoauslandsposition, man spricht dann von einem Gläubigerland. Im umgekehrten Fall spricht man von einem Schuldnerland. Die Schweiz ist ein Netto-Gläubigerland; Mexiko, Brasilien und viele andere Entwicklungsländer sind dagegen Netto-Schuldnerländer
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In Hinblick auf seine Verwendung im Produktionsprozess ist zwischen Konsum- und Produktivvermögen zu unterscheiden. Das Konsumvermögen - hierzu zählen dauerhafte Gebrauchsgüter wie Autos oder Einrichtungsgegenstände, aber auch Wohnbauten - ermöglicht eine längere Nutzung. Es gestattet eine zeitliche Verteilung eines bestimmten in der Gegenwart angelegten Konsumvorrats. Demgegenüber kann beim Produktivvermögen über einen effizienten Einsatz der Produktionsfaktoren ein Mehrertrag erwirtschaftet werden, der am Ende mehr Konsum ermöglicht, als zuvor an Verzicht beim Aufbau des Kapitalstocks geleistet wurde. Das Produktivvermögen umfasst das Anlagevermögen und das Vorratsvermögen der Unternehmen. Das Anlagevermögen wird üblicherweise in Ausrüstungen und Bauten unterteilt. Das Ausrüstungsvermögen umfasst den Bestand an Maschinen, maschinellen Anlagen, Fahrzeugen, Betriebs- und Geschäftsausstattungen sowie ähnliche Anlagegüter, die nicht fest mit Bauten verbunden sind. Zum Bauvermögen zählen Gebäude und sonstige Bauten, wie Strassen, Brücken, Tunnel, Flugplätze, Kanäle, Staudämme, Stahl- und Holzkonstruktionen sowie Versorgungs- und Rohrfernleitungen.

In der Schweiz wird das Volksvermögen offiziell nicht mehr ermittelt. Das hängt mit den Schwierigkeiten zusammen, die sich bei der Ermittlung auftun. Diese bestehen einerseits in der mengenmässigen Erfassung der Vermögensgüter und andererseits in deren geldmässigen Bewertung.

In Deutschland führt das Statistische Bundesamt eine Vermögensrechnung. In dieser Bestandesrechnung werden die Aktiva und Passiva der Wirtschaftseinheiten an einem Stichtag erfasst.

Das Statistische Bundesamt orientiert sich dabei an einem engen Begriff des Anlagevermögens. Zum Anlagevermögen zählt der Bestand an dauerhaften reproduzierbaren Produktionsmitteln mit Ausnahme dauerhafter militärisch genutzter Güter und dauerhafter Güter der privaten Haushalte. Die Wohngebäude hingegen sind im gesamtwirtschaftlichen Anlagevermögen enthalten, und zwar auch dann, wenn sie sich im Eigentum privater Haushalte befinden. Als dauerhaft werden solche Produktionsmittel klassifiziert, die eine Nutzungsdauer von über einem Jahr aufweisen. Das Anlagevermögen umfasst nicht den Grund und Boden (einschl. der Bodenschätze). Unberücksichtigt bleibt auch das sogenannte Humankapital also die Ausbildung, das Wissen und Können der Leute. Hingegen werden immaterielle Anlagegüter einbezogen. Als immaterielle Güter gelten beispielsweise Computerprogramme und Urheberrechte.

 
   

 

Wie wirkt das Volksvermögen auf den Wohlstand ?

Beim Volksvermögen interessiert vor allem der Nutzen, den es stiftet. Zum Beispiel sorgen Häuser für Wohlstand, weil darin gewohnt werden kann und nicht weil sie verfallen, unansehnlich und reperaturbedürftig werden. Würden die Häuser für immer in ihrem Originalzustand bleiben, wäre die Wohlfahrt höher, weil die Häuser bewohnt, d.h. genutzt werden könnten, ohne dass konsumiert oder produziert werden müsste. Je langlebiger Güter sind, umso mehr tragen sie zum Wohlstand bei. Der Wohlstand ist umso grösser, je weniger für die Erhaltung des Volksvermögens aufgewendet werden muss. Es ist deshalb ein nachhaltiger Umgang mit dem Volksvermögen angezeigt. Wer vom Vermögen zehrt, lebt von der Substanz, statt von den Erträgen. Gegenwärtiger Wohlstand auf Kosten des Volksvermögens schmälert den zukünftigen Wohlstand.

Ein wesentlicher Teil des Volksvermögens und von grosser Bedeutung für den Wohlstand ist das bei den Unternehmen vorhandene Produktivvermögen, also das Anlagevermögen der Unternehmen (Maschinen, Geräte, Mobilien, Gebäude). Es bildet den Kapitalstock der Volkswirtschaft und prägt in hohem Masse die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes und die Produktivität der Arbeitsplätze.

In seiner Eigenschaft als Produktionsfaktor fungiert der Kapitalstock zudem als ein wichtiges Vehikel für den technischen Fortschritt. Hinzu kommt seine Fähigkeit, Konsummöglichkeiten von der Gegenwart auf die Zukunft zu transferieren und realwirtschaftliche Lasten gleichmässiger zwischen den Generationen zu verteilen.

Ein moderner und leistungsfähiger Kapitalstock ist die Basis für ein angemessenes und dauerhaftes Wirtschaftswachstum. Er trägt dazu bei, dass sich eine Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb behaupten und einen hohen Wohlstand sichern kann. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionsbedingungen werden entscheidend von der Höhe und der Qualität des produktiven Sachvermögens geprägt.