Wohlstand
Wohlstand und Lebensqualität


Die Messung der Lebensqualität

Die Lebensqualität in einer Volkswirtschaft, die Wohlfahrt als "totale Summe des Glücks aller in der Gesellschaft lebenden Individuen" hängt nicht allein vom materiellen Wohlstand ab und kann deshalb nicht allein über das Sozialprodukt gemessen werden. In den letzten Jahren hat das Interesse an der Entwicklung von alternativen Indikatoren zugenommen, die den Lebensstandard in einem breiteren Sinne messen sollen, als nur einfach die Menge der erzeugten Waren und Dienstleistungen sowie das damit verbundene Einkommen. Insbesondere wird das Ziel verfolgt, Aspekte wir die Lebenserwartung, die Umweltqualität und die Alphabetisierungsrate, die die Wohlfahrt einer Gesellschaft ebenso sehr bestimmen wie das Einkommen, zu integrieren. Darüber hinaus wird angestrebt, die Ausbeutung der nicht erneuerbaren Ressourcen wie fossiler Energieträger und verschiedener Erze, die Verschmutzung der Umwelt durch die bestehenden Produktionsverfahren und das Verbraucherverhalten, einzubeziehen, deren wahre Kosten bei der Berechnung des BIP nicht berücksichtigt werden. Die Bewertung des Outputs basiert gegenwärtig auf den Marktpreisen, in die verschiedene Kostenfaktoren nicht oder nur unzureichend eingehen: die Kosten für die Erneuerung der beim Produktionsprozeß verbrauchten Ressourcen (wie die Regenwälder des Amazonasgebiets), für die Entwicklung von Alternativen, falls die Ressourcen nicht ersetzt werden können, sowie für die Säuberung der Umwelt im Falle der Verschmutzung.

Von der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development, Paris) wurde ein System von Sozialindikatoren entwickelt. Soziale Indikatoren, an denen die Lebensqualität gemessen werden kann, sind beispielsweise

  • Sozioökonomische Gliederung und Schichteinstufung
  • Arbeitsmarkt und Beschäftigungsbedingungen
  • Einkommen und seine Verteilung
  • Verkehr
  • Wohnung
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Umwelt
  • Partizipation, Demokratie
  • Öffentliche Sicherheit und Kriminalität
  • Freizeit und Mediennutzung

Die Analyse-Abteilung der Zeitschrift "Economist" hat prognostisch für 2005 die Lebensqualität in 111 Ländern untersucht. Sie verglich dazu das zu erwartende Pro-Kopf-Einkommen, die Lebenserwartung, die Freiheit, den Beschäftigungsgrad, das Familienleben, das Klima, die politische Stabilität, die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Gemeinschaftsleben. Die Schweiz kam bei dieser Studie auf den 2. Platz, nach Irland und vor Norwegen. Beim Durchschnitts-Pro-Kopf-Einkommen belegte die Schweiz in der Studie für das Jahr 2005 mit 38'400 Fr. weltweit nur noch den 7. Rang. Sie punktete mit guten Noten beim Gemeinschaftsleben, beim Beschäftigungsgrad und bei der Lebenserwartung. Weniger gut beurteilt wurde das Familienleben (2.2 Scheidungen je 1000 Einwohner, 1.9 Scheidungen je 1000 Einwohner in der EU), die Ungleichheit der Einkommen von Frauen und Männern und das Klima.