Einkommen                                                  Infotext Kredite

Adrian geht es gut. Er ist in einem Unternehmen angestellt. Er bezieht einen vertraglich vereinbarten Jahreslohn. Durch Mitarbeiter-Aktien ist Adrian zusätzlich am Gewinn des Unternehmens beteiligt. Von seinem Vater hat er Kulturland geerbt, das er verpachtet hat. Er erhält vom Pächter Pachtzins. Seine in Obligationen angelegten Ersparnisse bringen ihm Kapitalzins. Insgesamt hat er ein hohes Einkommen, das ihm hohen Wohlstand verschafft.

Unternehmen erzeugen im Zuge des Produktionsprozesses kontraktbestimmte Einkommen (Löhne an Mitarbeiter, Zinsen für Fremdkapitalgeber) und ein residualbestimmtes Einkommen, den Gewinn. Dieser fliesst z.T. an diejenigen, die Eigenkapital zu Verfügung stellen, z.T. wird er von den Unternehmen zurückbehalten. Aber auch von Haushalten fliessen Einkommen an andere Wirtschaftseinheiten: Privathaushalte beschäftigen Dienstboten, der Staat entschädigt die Leistungen von Beamten und Lehrer, er zahlt Schuldzinsen usw.

Einkommen ist eine Flussvariable. Einer Person fliesst während ihres Lebens ein bestimmtes Lebenseinkommen, in einem Jahr ein bestimmtes Jahreseinkommen, in einem Monat ein bestimmtes Monatseinkommen zu.

Einkommen wird erzielt als

Lohn wird für Arbeitsleistungen bezahlt, Zins für die Hingabe von Kapital, Gewinn ist die Entschädigung für Risiko. Lohn, Zins und Gewinn sind sogenannte ursprüngliche Einkommen. Sie entgelten die Beiträge der Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden an die Erzeugung von Gütern. Renten sind Einkommen ohne Gegenleistung. Sie entstehen durch die Umverteilung der primären Einkommen. Die ursprünglichen Einkommen müssen um die abgeleiteten geschmälert werden.

Bei dem durch einen Arbeitsvertrag vereinbarten Geldlohn handelt es sich um einen Nominallohn. Der Güterwert des Nominallohnes, also seine Kaufkraft, wird als Reallohn bezeichnet. Nominaler und realer Lohn decken sich bei stabilen Preisen, bei unstabilen nur, wenn Löhne und Preise im Gleichklang fallen oder steigen. In der Regel werden die Nominallöhne automatisch (Indexlohn) oder in periodischen Zeitabständen der Teuerung angepasst.

Der Zins ist die Vergütung für die Ueberlassung von Kapitalnutzungsrechten. Er tritt als Darlehenszins, Mietzins und Pachtzins auf. Der vertraglich vereinbarte Zins wird als Nominalzins, der um die Geldwertveränderung korrigierte Zins als Realzins bezeichnet.

In Gegensatz zum Lohn ist das Zinsnehmen nicht unumstritten: Die christliche Moraltheologie verurteilte im Mittelalter das Zinsnehmen. In dieser Zeit dienten Kredite weniger der Produktion als dem Konsum. Geld wurde geliehen, um eine wirtschaftliche Notlage zu mildern. Zins war dann Wucher, die Ausnutzung der Notlage desjenigen, der Geld borgen musste. In der marxistischen Wirtschaftstheorie ist der Zins nur ein Mehrwert, d.h. die Geldform jenes Teils der Produktion eines Lohnarbeiters, der dem Eigentümer an Produktionsmitteln ohne Gegenleistung überlassen wird. Dem gegenüber steht die Auffassung, das Kapital als Produktionsfaktor einen eigenständigen Produktionsbeitrag leistet und das folglich demjenige, der Kapital zu Verfügung stellt, einen Anteil am Produktionsergebnis als Zins für das Kapital zusteht.

Wer spart und das Gesparte als Kapital einer andern Wirtschaftseinheit überlässt, verzichtet im Moment auf Konsum. Der Zins entschädigt seinen Konsumverzicht, bzw. sein Warteleid, bis er sein Kapital wieder zurück erhält. Wer sein Kapital für eine bestimmte oder unbestimmte Zeit ausleiht, verzichtet auf die eigene Liquidität. Zins ist für ihn eine Belohnung für den Verzicht auf Liquidität. Konsumverzicht und Liquiditätsverzicht sind Rechtfertigungen des Zinsen, die auch zutreffen, wenn das ausgeliehene Kapital nicht für die Produktion, sondern für den Konsum verwendet wird. 

Gewinn kann wie z.B. im Falle eines Lottogewinns eine reine Risikoprämie sein. Der Unternehmensgewinn ist hingegen ein residualbestimmtes Einkommen, nämlich das was dem Unternehmen bleibt, nachdem es alle andern vertraglich vereinbarten Einkommen bezahlt hat. Es errechnet sich als Differenz zwischen Aufwand und Ertrag. Dieses Residualeinkommen enthält in der Regel verschiedene Einkommensbestandteile: Zins für das Eigenkapital, Lohn für die Arbeit der Unternehmer, Entschädigung für die Unterrnehmensrisiken aber auch Renten in Form z.B. von Monopol- oder Oligopolgewinnen.

Das zur Befriedigung der Grundbedürfnisse nötige Einkommen heisst Existenzeinkommen. Sein Nutzen ist gross und unmittelbar ersichtlich. Wird noch Einkommen darüber hinaus erzielt, so zählt es zum Komforteinkommen. Es ermöglicht, die Grundbedürfnisse auf eine individuellere Art zu befriedigen und das eine oder andere Hobby zu pflegen. Ein noch höheres Einkommen schliesslich wird zum Statuseinkommen gezählt, aus dem Güter finanziert werden, die vor allem wegen ihres Statuswertes erworben werden. Der Statuswert ist umso grösser, je mehr man sich von anderen durch diesen Besitz abheben kann.

Reicht das momentane Einkommen nicht für den benötigten oder gewünschten Konsum, so kann dieser durch Kredite statt durch Einkommen finanziert werden.