Oeffentliche und private Güter

Felix hört zwar gerne den Strassenmusikanten zu, doch nur selten zückt er sein Portemonnaie. Auch die Musik auf seinem MP3-Player holt er sich gratis im Internet. Die Radio- und Fernsehgebühren spart er sich. Er schaut ja meistens ausländische Fernsehprogramme und hört nur frühmorgens Radio. Hie und da fährt er ohne gültigen Fahrausweis Tram oder Bahn. Schwarzfahrer werden ja selten erwischt. Parkgebühren sind für ihn auch unnötige Ausgaben. Wenn möglich parkt er dort, wo es gratis ist. Mit Vorliebe verzehrt er am Mittag Mitgebrachtes im schönen Stadtpark. Den Abfall lässt er dort liegen.  

Die Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Gütern thematisiert die Marktfähigkeit von Gütern: Ist der freie Markt in der Lage für die Bereitstellung der Güter zu sorgen, oder braucht es andere Mechanismen, um bestimmte Güter im gewollten Umfang hervorzubringen. Private Güter sind marktfähig. Bei öffentlichen Gütern kommt es zu einem Marktversagen.

Wer private Güter beschafft, bezahlt vollumfänglich das, was er bekommt. Für den Erwerber entspricht der eigene Nutzen seinen eigenen Kosten. Der Erwerber des privaten Gutes verschafft sich die ausschliessliche Verfügungsgewalt über sein Gut. Er kann es für sich allein nutzen und alle andern von der Nutzung ausschliessen.

Oeffentliche Güter, z.B. ein öffentlicher Park, öffentliche Schulen oder die Musik eines Strassenmusikanten können von vielen genutzt werden und der Konsum des einen beeinträchtigt den Konsum des andern nur wenig oder überhaupt nicht. Bei Nichtrivalität im Konsum muss ein Gut nur einmal erstellt werden und kann dann beliebig viele Konsumenten befriedigen. Die Grenzkosten der Versorgung eines zusätzlichen Konsumenten sind gleich Null. Die meisten öffentlichen Güter verlieren den Charakter der Nichtrivalität erst, wenn sie von sehr vielen Individuen gleichzeitig konsumiert werden. Oeffentliche Güter werden oft vom Staat oder von gemeinnützigen Institutionen für die nicht ausschliessliche Nutzung durch den Einzelnen bereitgestellt. Die Gesamtkosten eines öffentlichen Gutes, z.B. einer Brücke oder einer Strasse, müssen genauso wie diejenigen für ein privates Gut beglichen werden. Aber nicht alle, die aus einem öffentlichen Gut Nutzen ziehen, tragen anteilsmässig zur Begleichung seiner Kosten bei. Es kann sein, dass einige viel mehr als andere beitragen, jedoch weniger profitieren. Andere ziehen Nutzen ohne selbst dafür eine Leistung zu erbringen. Es gibt Güter, bei denen es nur mit grossem Aufwand möglich ist, die Nutzung ohne entsprechende Gegenleistung zu verhindern. Potentielle Konsumenten lassen sich nur mit grossem Aufwand von der unentgeltlichen Nutzung eines Gutes ausschliessen. Das Signalfeuer eines Leuchtturms weist jedem Schiff den Weg, ob es nun Abgaben für den Leuchtturm entrichtet hat oder nicht. Das Licht eines Leuchtturms ist ein "echtes" öffentliches Gut. Danneben gibt es aber viele öffentliche Güter, die durchaus privatisiert werden könnten. Die Abgrenzung zwischen ausschliessbaren und nicht ausschliessbaren Gütern ist oft willkürlich. So gibt es private und öffentliche Schulen, private und öffentliche Strassen, private und öffentliche Verkehrsmittel usw.

 

 

 

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