Die Triebkraft des Wirtschaftens:
Die Bedürfnisse

 

 

Das Bedürfnis ist die Empfindung eines Mangels, verbunden mit dem Bestreben, diesen Mangel zu beheben.

Ich fühle mich einsam und suche Gesellschaft.
Ich habe Hunger und will etwas essen.
Ich habe Angst und suche Schutz.

Anette hat immer einen guten Appetit. Da sie am Abend oft spät ins Bett geht, ist sie tagsüber meistens müde. Sie möchte gut aussehen und steht oft vor dem Spiegel. Sie ist nicht gerne allein, vor allem möchte sie mit andern zusammen viel Spass haben. Sie ist aber auch ehrgeizig und möchte es zu etwas bringen in ihrem Leben.

Tante Juggi fühlt sich seit dem Tod von Onkel Jules oft einsam. Es stört sie zwar nicht, dass sie jetzt 110 kg auf die Waage bringt, dass sie mit ihrem Klavierspiel dem Nachbarn den letzten Nerv ausreisst, sie hat keine Angst vor Einbrechern, obwohl sie ihr ganzes Geld im Küchenkasten hortet, dazu noch eine Menge Schmuck, Wertpapiere und Goldmünzen in der Wohnung aufbewahrt. Sie geht auch nicht mehr auf Reisen. Sie lebt im Quartier, in dem sie wohnt.

 

Die Bedürfnisse der Menschen sind zahlreich, vermehrbar, vielschichtig und wandelbar. Sie werden je nach Alter, Geschlecht, Stand, Beruf, Ort und Zeit verschieden empfunden.

Die physiologischen Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst, Schlaf, Bewegung, Wärme usw. haben ihre Ursache in den Lebensvorgängen des Menschen. Viele weitere Bedürfnisse werden durch das geistig-seelische Leben und die soziale Umwelt hervorgerufen. Die Bedürfnisse nach Sicherheit und Schutz, nach Unterstützung, Zugehörigkeit und Zuneigung, nach Wertschätzung und Respekt, Ansehen, Ehre und "Selbstverwirklichung" sind solche den physiologischen Bedürfnissen übergeordnete psychische Bedürfnisse.

Nicht alle Bedürfnisse werden bewusst empfunden. Es gibt nicht nur offene (bewusste) Bedürfnisse, sondern es bestehen auch latente (nicht bewusste) Bedürfnisse. Bedürfnisse, die jeder selbst befriedigen muss, bezeichnet man als Individualbedürfnisse. Bedürfnisse, deren Befriedigung eine Organisation übernommen hat, also z.B. ein Verein oder der Staat, werden Kollektivbedürfnisse genannt.

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